Shkodra
Shkodra ist eine Stadt in Nordalbanien, das am Skutarisee liegt und in der Nähe der Grenze zu Montenegro befindet. Shkodra ist die fünftgrößte Stadt Albaniens und das kulturelle, wirtschaftliche und politische Zentrum Nordalbaniens.Shkodra liegt in einer Engstelle in der weiten Ebene, die sich entlang der Küste des Adriatischen Meers und des Skutarisees entlangzieht, zwischen dem Bergzug des Tarabosh und den Ausläufern der albanischen Alpen. Mehrere Flüsse prägen die Gegend rund um Shkodra: die Buna, der Drin und der Kir.


Shkodra hat eine über 2400-jährige Geschichte und gehört somit zu den ältesten noch heute bewohnten Städten Albaniens. Viele Orte, Sehenswürdigkeiten, Bauwerke, Denkmäler, Statuen und Ruinen zeugen heute von dieser wechselvollen Geschichte.
Im 4. Jahrhundert v. Chr. war Shkodra Residenzstadt des illyrischen Stammes der Ardiäer, die über ein Gebiet zwischen den heutigen Staaten Albanien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Kroatien herrschten. Nach den Ardiäern nahm der ebenfalls illyrische Stamm der Labeaten den Platz ein und war weitaus mächtiger als ihre Vorgänger.
Ab dem 1. Jahrhundert war Shkodra Teil der römischen Provinz Dalmatia, in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts wurde die antike Stadt Shkodra von Slawen erobert, 1040 wurde Shkodra vom Fürstentum Zeta erobert und ab 1360 herrschte das Adelsgeschlecht der Balšić (albanisch Balsha).1396 übernahm die Republik Venedig die Macht in Shkodra und die Stadt blühte zu einer reichen Handelsstadt auf; der historische Stadtkern mit den typischen venezianischen Gebäuden und Gassen zeugt von dieser Zeit.
1479 wurde Shkodra von den Osmanen, nach langer Belagerung der Burg Rozafa, erobert. Es dauerte jedoch längere Zeit bis sich die Stadt von den Zerstörungen und der Entvölkerung infolge der türkischen Eroberung erholen konnte und zu einem bedeutenden Handelsort wurde, der vom Austausch zwischen dem Osmanischen Reich und dem übrigen Europa profitieren konnte.
1860 gründeten Jesuiten ein Seminar und 1870 wurde mithilfe Österreich-Ungarns ein theologisches Gymnasium des Franziskanerordens eingerichtet. Die Österreicher zielten damit darauf ab, ihren Einfluss im katholischen Nordalbanien zu vergrößern. Sie wussten, dass Albanien beim Zusammenbruch des Osmanischen Reiches eine wichtige Rolle spielen werde.
Die muslimischen Shkodraner – und allgemein die Albaner – waren gegenüber der Doppelmonarchie mehr als misstrauisch. Um den österreichischen Einfluss in Shkodra so viel wie möglich zu minimieren, wurden in der Stadt auch italienische Schulen eröffnet.
Als einzige bedeutende Stadt Albaniens, die nicht auch von anderen Kulturen wesentlich beeinflusst wurde, war sie um die Jahrhundertwende ein wichtiger Ort der Rilindja, der albanischen Nationalbewegung.
Im Ersten Weltkrieg von 1916 bis 1918 stand die Stadt unter österreichischer Besatzung. Nach dem Krieg folgten die Franzosen, die Shkodra 1920 an den jungen Staat Albanien übergaben.
Im 19. Jahrhundert lebten hier mehr als 40.000 Menschen. Die vielen katholischen Bewohner hatten starke Beziehungen nach Italien und Österreich, was der Entwicklung förderlich war. Katholische Mönche eröffneten verschiedene Schulen. 1879 wurde hier erstmals in Albanien eine Zeitung publiziert und 1901 fanden wichtige Treffen der albanischen Nationalbewegung statt. Als letzte Stadt Albaniens wurde Shkodra im November 1944 von den Besatzungstruppen der deutschen Wehrmacht geräumt.
1990 war die Stadt ein Zentrum des Aufstandes gegen die kommunistische Diktatur.


Auf einem Hügel steil über der Buna zwischen den Flüssen Buna und Drin liegt die Burgruine Rozafa. Ihre Ursprünge gehen auf die vorrömische Zeit der Illyrer zurück. Die Burg hat bis in die Neuzeit die Geschicke der Stadt bestimmt. Mit Ausnahme der Befestigungsmauer sind die meisten Gebäude der Burg zerstört. Bis zur Niederlage der türkischen Truppen im Jahr 1913 wurde sie noch militärisch genutzt. Am nördlichen Fuß des Burgbergs lag über Jahrhunderte auf einem schmalen Uferstreifen das Basarviertel Shkodras.
Die Bleimoschee, das bedeutendste Gebäude im heute sehr ländlich geprägten Viertel, war schon nach dem Ersten Weltkrieg ungenutzt. Die Bedeutung des Basarviertels nahm spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg ebenfalls ab.
Das heutige Stadtbild ist noch immer von trostlosen Wohnblöcken aus kommunistischer Zeit, weiten Straßen, aber auch verwinkelten Gassen mit hohen Hofmauern geprägt. Im Zentrum sind in jüngster Zeit einige neue Hochhäuser und Gotteshäuser entstanden. Ein zentraler Straßenzug mit historischen, städtischen Häusern wurde wiederhergestellt und zu einer Fußgängerzone umgestaltet. Am Ort des alten Basarviertels wurde eine neue Einkaufspassage erstellt. Das Niemandsland zwischen Burg und heutiger Stadt ist seit dem Ende der 1990er allmählich mit neuen Dienstleistungs- und Handelsgeschäften überbaut worden. Einige Kilometer nordöstlich findet sich die osmanische Brücke Ura e Mesit aus dem 18. Jahrhundert.
Das nordalbanische Zentrum hat viel von seinem alten Glanz verloren. Während des Sozialismus war Shkodra noch eine wichtige Industriestadt. Seit dem Zusammenbruch des sozialistischen Regimes leidet die Stadt unter einer relativ schlechten wirtschaftlichen Lage, die sich jedoch zunehmend bessert. Es wurde ohne Kriterium und ohne einen langfristigen Plan gebaut und nur seit wenigen Jahren gibt es einen Bauzonenplan, der mehr oder weniger eingehalten wird.
Shkodra ist das Zentrum der Katholiken Albaniens, die primär im Norden leben. Die Stadt ist Sitz einer Erzdiözese und beherbergt ein theologisches Seminar des Jesuitenordens. Die Stephanskathedrale war während des Kommunismus zu einer Turnhalle umfunktioniert worden. Es gibt traditionell aber auch einige orthodoxe und viele Muslime, für die Gotteshäuser wie die orthodoxe Kathedrale, die Ebu-Bekr-Moschee und die Parruca-Moschee wieder aufgebaut wurden.