Durrës
Durrës (lateinisch Dyrrhachium) ist eine Großstadt an der adriatischen Küste Albaniens. Im westlichen Mittelalbanien gelegen ist sie die wichtigste Hafenstadt und für die Wirtschaft des Landes von hoher Bedeutung. Regelmäßige Fährverbindungen gibt es nach Italien: Bari, Ancona und Trieste. Durrës ist gemessen an der Bevölkerung nach der Hauptstadt Tirana, die zweitgrößte Stadt des Landes. Viele Straßen und Eisenbahnlinien durchqueren Durrës und verbinden den nördlichen Teil des Landes mit dem Süden und den Westen mit dem Osten. Aber auch touristisch hat Durrës eine zentrale Rolle in Albanien. Die Mehrheit der Touristen, die das Land besuchen, kommt für Badeferien an die Stadtstrände. So sind in den 2000er Jahren unzählige Hotels entstanden und auch die Infrastruktur hat sich verbessert.


Lage
Durrës liegt nur 39 km weit vom Tirana, 220 km vom Bari (Italien) und 145 km vom Brindisi. Im Norden, Osten und Süden ist Durrës von einer Hügelkette umringt, die maximale Höhen von 400 Metern erreicht. Zehn Kilometer nördlich der Stadt mündet der Erzen in die Adria.Im Nordwesten befindet sich die Bucht von Lalëz, während im Südwesten bei Durrës die nach ihr benannte Bucht von Durrës liegt.


Klima
Durrës hat ein mediterranes Klima. Die Temperaturen variieren von durchschnittlich 25 °C in Juli bis 10 °C in Januar. Am trockensten ist der Juli mit einer durchschnittlichen Niederschlagssumme von etwa 1 mm. Auch Juni und August sind sehr trocken. Der feuchteste Monat ist der November mit 40 mm. 200 Sonntagen im Jahr machen die Stadt eine der attraktivsten für den Tourismus.


Geschichte
Durrës wurde im Jahr 627 v. Chr. als Epidamnos von griechischen Kolonisten aus Korinth und Korfu gegründet. Die umliegende Region wurde Epidamnia genannt. Im Jahr 313 v. Chr. wurde Durrës vom Glaucias, ein illyrischer Anführer, erobert und im Jahr 280 v. Chr. prägte der König Monun die ersten Münzen mit dem neuen illyrischen Namen der Stadt, Dyrrah, die im 229 v. Chr ein römisches Protektorat wurde. Die Stadt wurde zu einem der Ausgangspunkte der Via Egnatia, die das Adriatische Meer mit Byzantium verband. Ein anderer Ausgangspunkt war die 65 Kilometer im Süden gelegene Apollonia, dass damals noch am Meer lag. Im Jahr 49 v. Chr., anlässlich der römischen Bürgerkriege, etablierte sich Gnaeus Pompeius Magnus hier und im November der selbes Jahres die Armee von Gaius Iulius Caesar Kaiser Augustus landete in Dyrrah. Obwohl unter Provinzialverwaltung hatte die Stadt in der Kaiserzeit den Status einer civitas libera.
Durrës gehört zu den ersten Städten auf der Balkanhalbinsel und überhaupt in Europa, die eine christliche Gemeinde aufnahm. So sollen bereits 58 n. Chr. in der Hafenstadt einige christliche Familien gelebt haben. Und auch eine Diözese wird in diesem Jahr erwähnt. Einige Historiker gehen zudem davon aus, dass der Apostel Paulus von Tarsus selbst die Stadt im Zeitraum von 53 bis 58 n. Chr. besuchte. Der christliche Märtyrer und Heilige Astios (1. Jahrhundert) war Bischof von Durrës. Zu seiner Zeit flüchteten viele Christen aus Italien nach Albanien, um den Verfolgungen zu entkommen.
Ende des 3. Jahrhunderts n. Chr. wurde Dyrrhachium Hauptstadt der neu gebildeten Provinz Epirus nova. Um 430 war die Stadt Geburtsort des späteren Kaisers Anastasios I.
Im Mittelalter stand Durrës lange unter der Herrschaft des Byzantinischen Reiches, dessen wichtigste Stadt es auf der anderen Seite der Balkanhalbinsel war. Ende des 9. Jahrhunderts drangen die Bulgaren in Durrës ein, 1082 unter Robert Guiskard und 1185 konnten die Normannen nur für einige Jahre über dieses Gebiet herrschen, 1205 kam die Stadt zum ersten Mal unter die Herrschaft der Republik Venedig, ab 1220 gehörte sie zum Despotat Epirus und seit 1271 zum Königreich Neapel.
1273 wurde die Stadt durch ein starkes Erdbeben zerstört, aber umgehend wieder aufgebaut und neu befestigt. Mit der neapolitanischen Herrschaft gewann der Katholizismus in Durrës (zu dieser Zeit italienisch Durazzo genannt) an Boden. 1278 gründeten hier die Dominikaner ihr erstes Kloster in Albanien. 1281 wird auch erstmals eine jüdische Gemeinde erwähnt. 1317 oder 1318 konnte das serbische Reich die Stadt erobern und es bis 1355 halten, als es an die Neapolitaner und das albanische Adelsgeschlecht der Thopia wieder übergeben wurde. 1367 wurde der albanische Fürst Karl Thopia Herr von Durazzo und vertrieb das Haus Anjou aus Albanien; sein Sohn Gjergj übergab die Stadt 1392 nach langer Zeit wieder an die Venezianer. Aus venezianischer Zeit sind noch Teile der Stadtmauer und mehrere ihrer Türme erhalten.
Als 1501 die Stadt von den Osmanen erobert wurde, konvertierten viele Einwohner nach und nach zum Islam und viele Moscheen wurden errichtet, die wichtigste unter ihnen ist die gut erhaltene Fatih-Moschee. Die Stadt wurde türkisch Dıraç genannt und verlor langsam an Bedeutung.
Am 7. März 1914 wurde Durrës für kurze Zeit zur Hauptstadt des Fürstentums Albanien erklärt. In der hiesigen Residenz herrschte der deutsche Adlige Wilhelm zu Wied, der sich nur sechs Monate lang auf dem Thron halten konnte. Als nach dem Ersten Weltkrieg die Unabhängigkeit Albaniens wiederhergestellt wurde, erklärte man am 11. Februar 1920 Tirana zur neuen Hauptstadt.
1926 ereignete sich ein schweres Erdbeben in Durrës. In der Folge entstanden neue Gebäude im Stil der italienischen Städte Neapel und Venedig, die noch heute das Stadtbild im Zentrum prägen.
Während des Zweiten Weltkriegs war Durrës wie das ganze Land zwischen 1939 und 1943 vom Königreich Italien besetzt, 1944 folgte bis Kriegsende das Deutsche Reich.
Nachdem Enver Hoxha in Albanien an die Macht gekommen war und er im Land eine Diktatur errichtet hatte, setzte in Durrës die Industrialisierung ein. Die Kommunisten machten die Küstenstadt zu einem wichtigen Standort für die Schwerindustrie Albaniens. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus im Jahr 1991 veränderte sich die Stadt sehr stark. Durrës zog viele Bewohner aus ländlichen Gebieten Nordalbaniens an, die sich am Stadtrand in kaum entwickelten Gebieten niederließen. Die Stadtfläche vervielfachte sich innerhalb kürzester Zeit.


Sehenswürdigkeiten
Das romische Amphitheater

Das Amphitheater von Durres ist eines der größten Monumente der Antiquität und wurde in den ersten Jahrzehnten des II Jahrhunderts gebaut, wahrscheinlich in der Regierungszeit des römischen Kaisers Hadrian. Im Gegensatz zu anderen Amphitheatern der Zeit, die ausschließlich auf flachem Gelände gebaut sind, stützt es sich teilweise auf einem Hügel, und teilweise auf ebenem Boden mit einer Fassade, die zu dem Hauptteil der Stadt sah.
Die Ausgrabungen haben erst im Jahr 1966 begonnen und bis jetzt ist nur die Hälfte des Denkmals ans Licht gekommen. Die lange Achse beträgt 120 m, die kurze 101 m und die Arena ist 61x42 m groß. Es wird angenommen, dass die Kapazität des Amphitheaters 1500 Zuschauer war. Im fünften Jahrhundert n. Chr. wurde in einer der Galerien des Amphitheaters eine Kapelle gebaut, während die Arena in ein Friedhof umgewandelt wurde. Die Kapelle ist klein und wurde nach dem neunten Jahrhundert mit einem Mosaik und Afresken dekoriert. Die Kapelle ist den Märtyrer Sankt Stefan gewidmet, dessen Name auf der linken Seite des Mosaiks zu lesen ist.
Es ist das einzige Wandmosaik in Albanien , das auf den Wänden der Kapelle zu sehen ist. Es hat zwei Teile: auf einen erscheint der byzantinische Kaiser Alexander, deren Name auf eine Schrift am Rande des Mosaiks zu lesen ist. Er ist durch zwei Schutzengel und zwei Höflings umgeben. Auf den anderen Teil erscheint Sankt Stefan. Der Stil und die Technik dieses Mosaiks beweisen die Entwicklung der Kunst in diesen Zeitraum.
   
Die Fatih Moschee
Es wird angenommen, dass die Fatih Moschee in den 1479 bis 1481 Jahren gebaut wurde. Die stellt ein sehr einfaches Modell dar. Das ist charakteristisch für die islamischen Sakralbauten des XV - XVI Jahrhunderts, die sehr schnell und nur funktionsorientiert gebaut wurden. Die hat keine besondere künstlerische Werte und wurde auf den Ruinen einer alten Basilika gebaut. Von dem alten Gebäude dieser Basilika sind nur ein paar Mauern gerettet. Die Moschee ist funktioniert immer noch, wurde im Jahr 1991 und dann im Jahr 2008 restauriert.