Apollonia
Apollonia ist eine Ruinenstätte in Mittelalbanien nahe der Stadt Fier. Die Stadt wurde 588 v. Chr. als korinthische Kolonie gegründet und wuchs stetig an Status, im Wettbewerb mit Epidamnos, alte Dyrrhachium (modern Durrës) im Norden. Sie ist nach dem Gott Apollon benannt. Unter 24 Städten in der Antike Mittelmeerraum mit diesem Namen war Apollonia von Illyrien die wichtigste.
Apollonia wurde auf einem Hügel etwa einen Kilometer nördlich des Flusses Vjosa gegründet, der nach wenigen Kilometern ins Adriatische Meer mündet und in der Antike bis zur Stadt herauf befahrbar gewesen ist. Wie Dyrrhachium war Apollonia eine wichtige Hafenstadt an der Küste Illyriens und einer der westlichen Ausgangspunkte der Via Egnatia nach Thessalonica und Byzantium. Fast tausend Jahre war Apollonia ein wichtiges städtisches Zentrum im epirotischen Raum.
Es wird geschätzt, dass die Stadt etwa 60 000 Einwohner hatte, ein Rekord für Antike Zeiten. In der Stadt lebten neben den Nachkommen der griechischen Kolonisten zahlreiche Illyrer, da Apollonia im Stammesgebiet der Taulantier lag. In römischer Zeit siedelten sich auch Kolonisten aus Italien an, die sich aber an die dominierenden Griechen assimilierten.
Seit 229 v. Chr. stand Apollonia unter römischem Schutz. Die Stadt war in den folgenden Kriegen gegen Makedonien die wichtigste Basis der Römer auf der Balkanhalbinsel. Im Bürgerkrieg zwischen Pompeius und Caesar stand Apollonia auf Caesars Seite; 48 v. Chr. wurde sie von Marcus Iunius Brutus eingenommen. Wenig später befestigte Marcus Antonius den strategisch wichtigen Ort.
Die freundliche Haltung der Stadt gegenüber Caesar und Augustus zahlte sich politisch aus: Apollonia wurde freie Stadt und musste keine Steuern mehr nach Rom abführen. Neben der Landwirtschaft in der Umgebung bildeten die Gewerbe (vor allem Töpferei) die Basis für den Reichtum der Stadt. Die Schule der schönen Künste war in der gesamten antiken Welt berühmt.
Der Verfall des Handelszentrums begann im 4. Jahrhundert, als ein Erdbeben den Lauf des Flusses Vjosa änderte und der Hafen Apollonias verlandete.
Das hatte fatale Folgen, weil alle kommerziellen Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Meer entwickelten. Die Stadt verlor ihre wirtschaftliche Bedeutung und verwendelte sich in ein einfaches religiöses Zentrum. Das Christentum fand Früh Eingang in die Stadt. Unter Kaiser Justinian I. wurden die Befestigungen der Stadt zum letzten Mal erneuert; spätestens Ende des 6. Jahrhunderts ist der Ort aber wegen der veränderten topografischen Bedingungen verlassen worden.
Im 9. Jahrhundert ist das Kloster von Sankt Maria in den Ruinen der Stadt gegründet worden. Im 14. Jahrhundert wurde die bis heute existierende Klosterkirche errichtet. In den Mauern des Klosters sind heute die bei archäologischen Grabungen geborgenen antiken Funde ausgestellt. Ein Teil der Funde befindet sich auch im archäologischen Museum der Hauptstadt Tirana.
Die heutige Stadt Apollonia liegt einige Kilometer weg von der Adriaküste in Landesinnere. In der Tat, wie Ephesus in der Türkei, erstreckt sich das Schwemmland so weit vom Meer, dass es schwierig ist, sich vorzustellen, es jemals ein maritimes Status hatte. Wegen der allmähliche und gewaltfreie Aussterben der Stadt wurde das archäologische Bereich sehr gut erhaltenen. Archäologen nennen Apollonia zur Pompei Albaniens, da nur 10% des Gebiets der ehemaligen Stadt bis heute entdeckt worden ist.
Bauwerke
Apollonia war eine der größten städtischen Zentren Illyriens und beherbergte eine Vielzahl an Profan- und Sakralbauten, große Wohngebiete, mächtige Befestigungsanlagen und viele befestigte Straßen. Die Befestigungswälle umschließen auf vier Kilometer Länge eine Fläche von 137 Hektar. Zu den wichtigsten Monumenten Apollonias zählen:
Buleuterion
In den Stadtstaaten des antiken Griechenlands gab es für den Stadtrat einen Versammlungsraum, den Buleuterion. In Apollonia stand dieses im Stadtzentrum in der Nähe der Agora(der zentrale Fest-, Versammlungs- und Marktplatz einer Stadt). Dieses Bauwerk entstand im letzten Viertel des 2. Jahrhunderts v. Chr., also während der römischen Zeit.
Bibliothek
Apollonia besaß eine der größten Bibliotheken in der römischen Kaiserzeit. Octavian (der spätere Kaiser Augustus) als junger Mann hat langer als ein Jahr in die Bibliothek von Apollonia studiert.
Odeon
Das Odeon diente sowohl für musikalische und kulturelle Veranstaltungen als auch für politische Treffen. Die Kombination zwischen griechischem Stil und römischer Technik machen, das in der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. erbaute Odeon, zu den architektonisch interessantesten Gebäuden Apollonias.
Tempel der Diana
Der Tempel zu Ehren der römischen Göttin Diana wurde im letzten Viertel des 2. Jahrhunderts n. Chr. erbaut. Die im Innenraum gefundene Marmorstatue der Diana ließ die Archäologen annehmen, dass die Göttin der Jagd, des Mondes und der Geburt sowie Beschützerin der Frauen und Mädchen in Apollonia stark verehrt wurde.
Prytaneion
Im Prytaneion befinden sich die Behörden und die führenden Repräsentanten des Stadtrats. Die nach Westen gerichtete Fassade des Gebäudes ist mit Marmorsäulen geschmückt.
Theater
Für den Bau des Theaters wurde ein Hügelhang ausgehoben, während an der Nordwestseite ein künstlicher Damm zur Stützung erstellt wurde. In der Spätantike wurde das Theater aufgegeben, und an seiner Stelle errichtete man eine Kirche. Für den Bau der Klosterkirche von Sankt Maria wurden Steinblöcke der Sitzreihen verwendet.
Nymphäum
Dieser große und reich verzierte Trinkbrunnen wurde von einer unterirdischen Wasserquelle gespeist, die noch heute fließt.
Gymnasion
Das im 6. Jahrhundert v. Chr. gebaute Gymnasion wurde bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. benutzt und wurde wiederholt umgebaut.
Große Stoa
Die große Stoa ist das am besten erhaltene Bauwerk aus der griechischen Klassik und wurde bis weit ins 2. Jahrhundert n. Chr. benutzt. Archäologen behaupten, dass die Stoa für das Stadtleben Apollonias besonders wichtig war, da sie den besten Standort der Stadt hatte, von wo man die ganze Gegend gut beobachten konnte. Im Spaziergang wurden philosophische Debatten gehalten und hitzige Diskussionen geführt, die sich um wichtige Fragen drehten, welche die Stadteinwohner betrafen.
Dorischer Tempel
Außerhalb der Stadtmauern in der Nähe des Südtores befinden sich die Überreste des dorischen Tempels, welcher um 480 v. Chr. mit Steinblöcken vom nahen Karaburun errichtet wurde. Bisher konnte der im Tempel verehrte Gott nicht identifiziert werden, jedoch kann durch eine vor Ort gefundene Statue mit Sicherheit gesagt werden, dass der Gott in Verbindung mit dem Meer steht.